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Gemeindearchiv

 

Aufgrund einer Reihe von Anfragen findet im Archiv der Marktgemeinde Bissingen

am Donnerstag, 23. November 2017, von 16 Uhr bis 18.00 Uhr wieder ein Tag der offenen Tür statt.

 

Das Gemeindearchiv hat derzeit keine regelmäßigen Öffnungszeiten.

 

Die Einsichtnahme in Unterlagen, soweit sie datenrechtlich möglich ist, erfolgt nach Absprache mit dem Archivpfleger.

 

Gleiches gilt für Besichtigungen, die gerne angeboten werden.

 

Die Kontaktaufnahme ist über die Gemeindeverwaltung

(Tel.: 09084/9697-12) oder direkt beim Archivpfleger möglich.

 

Helmut Herreiner ist Kreisarchivpfleger im Landkreis Dillingen.

Zwischen Schulbank und Chroniken

Beitrag in LEBENin (Verlagsbeilage  der Donau-Zeitung, Donauwörther Zeitung und Rieser Nachrichten vom 17. September 2017

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Der Herr der Geschichte

Von Maria Leistner

Bissingen
Er setzt die Tradition der Lehrer in Bissingen fort, die sich um die Geschichte der Heimat kümmern. Doch nur weil er Lehrer ist, trat Helmut Herreiner nicht in die Fußstapfen von Friedrich Hartmann, Johann Hoesch oder Josef Engel, sondern weil für ihn Geschichte besonders spannend ist. "Neben Erdkunde war es mein Hauptfach im Studium und aus der Ferne, in Augsburg, erwachte besonderes Interesse an der Heimat", erzählt Helmut Herreiner.
Seit drei Jahren nun ist er der Herr über die Zeugnisse der Geschichte des Kesseltals im Gemeindearchiv im Feuerwehrhaus. Doch die Räume sind nicht nur ein Ort für den Lehrer, um seine Freude an der Geschichte auszuleben. "Meine Intention ist vielmehr die heimatgeschichtliche Fundgrube nach außen zu öffnen", so Herreiner. Und dabei ist er ziemlich erfolgreich.
Das Bewusstsein wächst
Immer wieder kommen interessierte Bürger, auch von außerhalb, um in den unzähligen Ordnern etwas über die Vergangenheit des Kesseltals nachzuschlagen. So gibt es eigene Abteilungen nicht nur für die Marktgemeinde Bissingen, sondern auch für jeden der Ortsteile.
Besondere Freude allerdings bereiten dem Lehrer die Besucher, die nicht mit leeren Händen kommen. "Das Bewusstsein ist gewachsen, dass man nicht alles Alte wegschmeißt, sondern es für die kommenden Generationen aufbewahrt", freut sich Herreiner. Alte Bilder, Bücher, Stempel, zerfledderte Schriften - es gibt nichts, was den Heimatkundigen nicht interessiert und zum Staunen bringen kann. Das Sortieren und Ordnen der Unterlagen bewältigt Herreiner allerdings nicht allein. Ohne seine Helfer Nikolaus Keis und Simon Knaus wäre es ihm längst noch nicht gelungen, eine Struktur in die vielen Papiere zu bringen.

Gegenpol zur Globalisierung

Geschichte ist für Helmut Herreiner aber kein Selbstzweck. Denn sie hat auch immer mit den Menschen zu tun, mit den Wurzeln, die jeder in der Heimat hat - oder nicht hat. Als Lehrer will er dazu beitragen, dass die Kinder, die im Kesseltal aufwachsen, sich hier auch ein bisschen mehr verwurzelt fühlen.

In einer Zeit, in der alle nur von Globalisierung reden, scheint das ein schier aussichtsloses Unterfangen zu sein. Doch Herreiner vermittelt nicht den Eindruck, als würde er gegen Windmühlen kämpfen. Im Gegenteil: "Heimatgeschichte, das ist für mich wie ein Gegenpol zur Globalisierung", stellt er fest.

Seine Begeisterung ist ansteckend und aufrichtig, und das kommt auch bei seinen Schülern an. Erst kürzlich öffnete er für sie seine Schatzkammer, die gläserne Vitrine, in der sich unter anderem ein altes Rechnungsbuch aus dem Jahr 1619 findet, aus einem Jahr als der 30-jährige Krieg noch ganz am Anfang war. Doch Herreiner ist keineswegs ein verstaubter Historiker. In einem seiner zahlreichen Nebenjobs ist er stellvertretender Leiter des Medienzentrums Dillingen und damit auch mit hochmoderner Technik beschäftigt.

Doch gleich kommt wieder der Schwenk auf die Geschichte und die Vorfreude auf den zweiten Heimatabend in dieser Woche. Der erste, den er im vergangenen Jahr organisierte, befasste sich mit dem Jubiläum 725 Jahre Marktgemeinde Bissingen. Und auch heuer trifft es sich, dass Herreiner wieder ein Jubiläum präsentieren kann. Am 3. Mai dreht sich alles um das Bissinger Schloss: 450 Jahre ist es her, dass die Arbeiten am Herrschaftsgebäude und den Festungstürmen begonnen wurden. "Wenn man bedenkt, dass Schertlin insgesamt nur zwölf Jahre hier war, so hat er es doch geschafft, das Bild der Gemeinde für immer zu prägen", so Herreiner.

Wer sich mit Geschichte beschäftigt, setzt sich auch mit dem fortwährenden Wandel auseinander. Und Wandel gab es viel im Bissinger Schloss. Herreiner freut sich, dass die neuen Eigentümer zugesagt haben, beim Festabend dabei zu sein. Sie sind ein Glücksfall und garantieren den Fortbestand des geschichtsträchtigen Gebäudes. Und da wird Herreiner nachdenklich. Leider gibt es nicht für jedes Gebäude einen Liebhaber oder eine Gruppe, die sich einsetzt. Er spricht die engagierten Jugendlichen der St.-Bonaventura-Realschule in Dillingen an, die sich um den Erhalt der Blindheimer Simonsmühle bemühen. "Unsere Simonsmühle ist die Hohenburger Mühle", so Herreiner. Doch von solchem Engagement könne man nur träumen. Wer Geschichte in die Gegenwart transportiert, darf sich Träume erlauben. Denn auch das lehrt die Geschichte: Träume können wahr werden.

www.donau-zeitung.de vom 30.04.2007

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Suevit

Naherholung im Kesseltal

Erinnerungen an Kurheime, Pensionen und Blumenfeste 

„Heilwasser, Kurheime, Blumenfeste – Fremdenverkehr und Naherholung im Kesseltal einst und jetzt“

Wo kommen unsere Ortsnamen her?

Viele Orte im Kesseltal wurden im frühen Mittelalter gegründet Bissingen (HER).
Eine spannende Frage, die sich sicher schon mancher gestellt hat, ist die nach der Herkunft der Ortsnamen im Kesseltal. Die meisten geben Aufschluss über die Zeit der dauerhaften Besiedlung unserer Region. Vereinzelte Siedlungsspuren reichen, wie beispielsweise am Michelsberg bei Fronhofen, viele Jahrtausende bis in die Mittelsteinzeit zurück.
Die Keltenschanze im Wald südöstlich von Amerdingen und die Spuren von römischen Gutshöfen verweisen auf die keltische und römische Besiedlung in der vorchristlichen Zeit und in den ersten zwei Jahrhunderten nach Christi Geburt. Größere Siedlungen, wie etwa im Donautal oder entlang des Lechs, entstanden in der Römerzeit im Bereich des Kesseltales allerdings nicht. In den Jahren 259/260 schließlich wurden die Römer von den aus Norden und Osten heranziehenden Alemannen hinter die Iller- und Donaugrenze zurückgedrängt.
In den unruhigen Zeiten der Völkerwanderung dauerte es wohl noch mehrere Jahrhunderte, ehe im Kesseltal die ersten dauerhaften Siedlungen angelegt wurden. Es sind zum einen die Ortsnamen und an einigen Orten auch archäologische Funde, meist Reihengräberfriedhöfe, die Auskunft über die Entstehungsgeschichte der vielen Dörfer und Weiler geben.
Die ersten Siedlungen, die vermutlich im 6. oder 7. Jahrhundert nach Christus entstanden, waren wohl die –ingen-Orte. Die Endung –ingen bedeutet soviel wie „zu den Leuten des…“ und wurde an einen Personennamen angehängt. Der Anführer derjenigen alemannischen Sippe, die sich im mittleren Kesseltal unweit der Kessel niederließ, hieß „Bizzo“ oder „Biso“. Daraus wurde dann „Bissingen“. Im oberen Kesseltal entstanden derweil Unterringingen („zu den Leuten des Ringo“) und Amerdingen. Diese drei Dörfer waren wohl die ersten in dem Talgebiet zwischen dem Ries und der Donau. Die Bewohner rodeten die umliegenden Wälder, bauten Feldfrüchte an und betrieben Viehzucht. Wenn es dann rund um den Ort zu eng wurde und es den ansässigen Familien gut ging, wurden ein wenig weiter an geeigneten Stellen Ausbausiedlungen gegündet. So entstanden rund um Bissingen die Orte Göllingen, Unterbissingen oder Kesselostheim, von Unterringingen aus Oberringingen, Zoltingen oder Leiheim. Nach den sogenannten –heim-Orten wurden die –dorf- oder –hofen-Orte, von denen es es im Kesseltal ebenfalls mehrere gibt, gegründet.
In einer weiteren Ausbauperiode, dem 8. bis 10. Jahrhundert, kamen schließlich weitere Dörfer und Weiler wie Stillnau, Tuifstädt oder Gaishardt, ein typischer Rodungsort mit viel umliegendem Wald, hinzu. Eine Besonderheit bilden die Orte, die nach Geländenamen benannt sind. Hierzu zählen natürlich Diemantstein oder Hochstein, aber auch Untermagerbein, Obermagerbein und Burgmagerbein. Bei letzteren war es wohl der magere und steinige Albboden, der diesen drei Orten ihren Namen gab. Nicht vergessen soll abschließend, dass in den vergangenen eineinhalb Jahrtausenden zahlreiche Dörfer, Weiler und Einzelhöfe entstanden sind und diese den Menschen Schutz und Heimstatt gaben, sondern dass auch eine ganze Reihe von kleineren Orten und Höfen im Laufe der Jahrhunderte wieder verschwunden sind. Untertitel Bild 1: Bissingen, hier der Ortskern auf einem alten Luftbild, ist eine Gründung des sechsten oder frühen siebten Jahrhunderts nach Christus, was sich an den alemannischen Reihengräbern nachweisen lässt, die vor fast 100 Jahren am östlichen Ortsausgang gefunden wurden. Untertitel Bild 2: Das Bissinger Ortswappen enthält unter anderem auch eine Pferdegebissstange (rechts). Diese soll an den Ortsgründer „Bizzo“ oder „Biso“ erinnern. Untertitel Bild 3: Neben Amerdingen war Unterringingen die erste dauerhafte Siedlung im oberen Kesseltal. Von diesen beiden Dörfern aus wurden die weiteren kleineren und größeren Ausbausiedlungen gegründet. Im Hintergrund der Michelsberg, wo die Herren von Fronhofen das erste mittelalterliche Herrschaftszentrum im Kesseltal begründeten.
Repro/Fotos: Helmut Herreiner

Bissingen, hier der Ortskern auf einem alten Luftbild, ist eine Gründung des sechsten oder frühen siebten Jahrhunderts nach Christus, was sich an den alemannischen Reihengräbern nachweisen lässt, die vor fast 100 Jahren am östlichen Ortsausgang gefunden wurden.

Neben Amerdingen war Unterringingen die erste dauerhafte Siedlung im oberen Kesseltal. Von diesen beiden Dörfern aus wurden die weiteren kleineren und größeren Ausbausiedlungen gegründet. Im Hintergrund der Michelsberg, wo die Herren von Fronhofen das erste mittelalterliche Herrschaftszentrum im Kesseltal begründeten.

 

 

 

 

 

 

Das Bissinger Ortswappen enthält unter anderem auch eine Pferdegebissstange (rechts). Diese soll an den Ortsgründer „Bizzo“ oder „Biso“ erinnern.

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